Author:
Grumbkow
Dienstag, 6. Januar 2009
Ja, ich bin einer von denen, die immer noch nörgeln. Ein Schlossgegner. Wobei ich „Schloss“ sogar in Anführungszeichen setzen würde. Und „Humboldt-Forum“ am liebsten auch. Aber Achtung: Mein „Nein“ zur Schloss- bzw. Fassadenrekonstruktion ist bitte noch lange kein „Ja“ zu irgendeinem nichtssagenden, modernistisch-kalten Monumentalprotz aus Stahl, Glas und Granit! Ich liebe barocke Architektur! Ich bin – auf eine eher naive Weise – zutiefst fasziniert von allem, was alt ist und vor dem Verfall gerettet werden muss. Wenn ich durch Berlin gehe, baue ich im Geiste ganze Stadtviertel wieder auf. Das meine ich ernst.
Warum ich trotzdem gegen das „Schloss“ bin? Alle meine Vorbehalte reduzieren sich auf einen Grund: Ich weiß, dass der Wunsch nach einer Rekonstruktion in der Regel blitzschnell von reiner Sentimentalität dominiert wird und dabei der Sinn für ein vernünftiges Verhältnis von Aufwand und Nutzen immer völlig den Bach runter geht! Das, glaube ich, ist in diesem Fall passiert. Auf ganz breiter Front.
Nicht vergessen: Ich bin nicht gegen das „Schloss“, weil ich etwas gegen Schlösser habe oder gegen Barock oder gegen die Hohenzollern oder überhaupt gegen Preußen! Auf der anderen Seite sind ja auch nicht alle Befürworter gleich an der Wiedererrichtung der Monarchie interessiert. Und ich halte es nicht für nötig, die sinnvolle Auseinandersetzung über den Einsatz von über einer halber Milliarde Euro als ideologischen Krieg zu führen. Das hilft nichts. Auf der anderen Seite wäre es natürlich aber auch grundfalsch, nicht für das einzutreten, was man für richtig hält.
Halten wir fest: Nach dem nun beschlossenen Kompromiss kriegt wahrscheinlich keiner, weder der „Schloss“-Freund, noch der „Schloss“-Gegner, das, was er eigentlich wollte. Denn es wird weder ein Schloss geben, noch ein konsequent zeitgenössisches Gebäude.
Was man sonst hätte machen sollen? Keine Ahnung! Aber ist denn wirklich nichts anderes vorstellbar als „Schloss oder Nicht-Schloss“? Selbstverständlich müsste man von einem modernen Gebäude im Herzen Berlins erwarten, dass es für den Vorgängerbau (das Stadtschloss!) ein würdiger Nachfolger ist, dass es mit dem heutigen architektonischen Ensemble korrespondiert. Dafür sind unzählige Möglichkeiten denkbar. Man müsste sie nur zulassen! Aber an erster Stelle muss trotzdem die Festschreibung der eigentlichen Bauaufgabe stehen! Es muss eine Zweckbestimmung da sein, die über „drei alte Fassaden drumherum“ hinausgeht. Das macht man besser früher als später. Sonst kommt aus lauter Hilflosigkeit nämlich doch genau der Murks heraus, den nicht nur die „Schloss“-Freunde gerne verhindern würden. In diesem unglücklichen Fall wäre das Jahrhundertbauwerk auf dem Schlossplatz einfach nur teuer. Ach ja, und peinlich. Lässt sich das vermeiden?
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